Videokonferenzen während der Krise – was Social Media verraten können

Videokonferenzen während der Krise – was Social Media verraten können
Videokonferenzen sind „en Vogue“. Immer mehr Menschen versammeln sich mittels Mikrofon, Kamera und Bildschirm am virtuellen Konferenztisch. Eine erste Twitter-Analyse verrät, welche Anbieter besonders vom Trend profitieren. Soziale Medien können aber noch viel mehr preisgeben – wenn man sie denn lässt.

Schon vor über vier Jahren hatte sich das US-amerikanische Komikerduo „Tripp and Tyler“ in ihrem YouTube-Clip „A Video Conference Call in Real Life“ über die vermeintlich fortschrittliche Form der Kommunikation lustig gemacht. Umso erstaunlicher, dass der dreieinhalbminütige Sketch bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat: Einer der Teilnehmer hört schlichtweg nichts, ein anderer ist nur verpixelt zu sehen und die Kollegin widmet sich gedankenverloren ihrer Gesichtspflege. Ganz nebenbei stören Straßenlärm und Kindergeschrei die Budgetbesprechung.

Kein Wunder, dass die etwas angestaubte Filmsequenz in den letzten Wochen wieder viele neue Zuschauer angelockt hat: Webkonferenzen, insbesondere solche mit Bild, sind trotz aller Macken mehr gefragt denn je. Denn natürlich sind sie in Zeiten von Corona und Lockdown quasi alternativlos. Während allerdings noch vor ein paar Wochen ein gemeinsamer Konferenztisch für jede Besprechung ausreichte, verlangt die erzwungene Home-Office-Kultur entsprechende digitale Tools. Deren Anbieter gehören mithin zu den wenigen, die von der gegenwärtigen Krise profitieren.

Videokonferenzen sorgen für Traffic und Aufruhr im Netz

Anders als im Beitrag der YouTube-Komiker funktionieren die allermeisten Konferenzschaltungen aber offenbar. Das zeigt sich derzeit auch am Datenverkehr im Internet. Der ist seit Anfang März überdurchschnittlich stark gewachsen, so etwa auch am Frankfurter DE-CIX-Internetknoten. Laut Betreiber ist das insbesondere durch die steigende Anzahl von Videokonferenzen zu erklären. Ende März teilten die Betreiber mit, dass sich der Datenverkehr, der durch Videokonferenzen verursacht wird, in nur einer Woche verdoppelt hätte.

Der vermehrte Einsatz von Mikrofon und Kamera am heimischen Küchentisch schlägt sich ganz nebenbei auch indirekt nieder: Bei Twitter etwa avancierten Videokonferenzen innerhalb kürzester Zeit zum Top-Thema. Das belegt unsere internationale Twitter-Analyse von über 800.000 Tweets in der Woche vom 28.3. bis zum 5.4. Die Analyse umfasst die Anzahl der Nennungen von zwölf Anbietern – und fördert große Unterschiede zu Tage.

So sind Microsofts Skype, FaceTime von Apple und der US-Anbieter Zoom die absoluten Gewinner der Krise. Während Skype fast eine Viertelmillion Mal Erwähnung fand, kommen FaceTime und Zoom immer noch jeweils auf rund 200.000 Nennungen. Schon weit abgeschlagen auf den Plätzen 4 bis 6 folgen dann WebEx, das immerhin noch 16.000 Mal genannt wird, Google Hangouts mit nur noch rund 4.500 und Team Viewer mit knapp über 4.000 Nennungen. Die Anbieter auf den hinteren Rängen besitzen im Vergleich zur Konkurrenz dagegen kaum noch Bedeutung bei Twitter.

Krise als Chance? Ja. Aber auch ruhige Zeiten nutzen

Keine Frage: Corona befeuert die Nachfrage nach Videokonferenzsystemen. Aus Sicht der Anbieter bietet die gegenwärtige Situation somit große Chancen, beinhaltet aber auch Risiken. Denn die Systeme werden unter Hochdruck auf die Probe gestellt, Schwachstellen können schneller aufgedeckt werden. Dementsprechend kann sich negative Kritik rascher verbreiten – auch über die sozialen Medien.

Die Ergebnisse unserer quantitativen Twitter-Analyse können einfach als Indikator für die Verbreitung der Services gesehen werden. Eine systematische, inhaltliche Untersuchung der Erwähnungen fördert noch ganz andere Ergebnisse zu Tage. So erhielt FaceTime die meisten negativen Kommentare. Zoom wurde etwa wegen mangelnden Datenschutzes kritisiert, besserte dann aber nach. Skype folgt bei den nagativen Tweets auf Platz drei, was nicht die Rangfolge des Share of Voice widerspiegelt.

Negative Mentions zu Video-Konferenz-Apps

Solche Resultate bedürfen einer tiefergehenden Analyse der Social-Media-Aktivitäten. Unternehmen können dadurch äußerst wirkungsvoll das eigene Produkt auf Herz und Nieren prüfen. Das gilt in der Krise genauso wie im regulären Betrieb – ist dann aber natürlich umso komfortabler.

So lassen sich die hauseigenen Services auf Basis von Userkritik in den sozialen Netzwerken schnell optimieren und den Nutzeranforderungen anpassen. Zudem können Unternehmen das Prinzip etwa auch dafür nutzen, um Zielgruppen im Vorfeld einer Produkteinführung zu beleuchten oder um potentielle Mitbewerber früh zu entdecken. Mehr Informationen über die Möglichkeiten zur Nutzung von Social-Media-Monitoring gibt es hier.

Übrigens: Der US-Anbieter Zoom selbst war Auftraggeber des oben genannten Satirevideos und wollte damit die Mängel der Konkurrenz verdeutlichen. Das zeugt entweder von Selbstüberschätzung oder Selbstironie. Denn heute wird deutlich, dass kein Konferenzanbieter vor technischen oder allzu menschlichen Unwägbarkeiten gefeit ist – auch Zoom selbst nicht.

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